TON SMITS (1921-1981)

Der holländische Maler und Karikaturist Ton Smits erblickte am 18. Februar 1921 in Veghel, einer Kleinstadt in der südholländischen Provinz Nordbrabant, das Licht der Welt. Schon als Kind von vier Jahren zeichnete er bemerkenswerte Karikaturen von Menschen in seiner Umgebung, ausgeführt in Schuhcreme auf weissem Karton. 1934 – er war damals gerade 13 Jahre alt – erschien zum ersten Mal eine Zeichnung von seiner hand in einer holländischen Zeitschrift.

Auf der höheren Schule in Eindhoven, der nächst grösseren Stadt in der Umgebung, wo er seit 1935 wohnt und arbeitet, bekam er für das Fach Zeichnen ungenügend. Dennoch wurde er zum Studium an der Kunstakademie in der Provinzhauptstadt

's-Hertogenbosch zugelassen. Den Wunsch seiner frühesten Jugend, einmal Clown in einem Zirkus zu werden, gab er auf, aber er sollte trotzdem in seiner künstlerischen Laufbahn dem Clownesken immer treu bleiben.

Im vorletzten Kriegsjahr 1944 versetzte er seine eigene Familie sowie Nachbarn in Angst und Schrecken, da auf seinem Arbeitstisch stapelweise nazifeindliche Zeichnungen, mit denen er sich über Hitler, Goebbels, Himmler und Göring lustig machte, ganz offen herumlagen. Aus Angst vor Repressalien verschwanden diese Spottbilder für eine Zeitlang, nach dem Krieg jedoch wurden sie gleich in einer Auflage von hunderttausenden Exemplaren in vielen europäischen Ländern als Ansichtkarten verkauft.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erfüllte ihn der Wunsch, als Karikaturist für amerikanische Blätter zu arbeiten. Diese Idee hatte ihn erfasst, nachdem er rein zufällig von einem amerikanischen Soldaten ein Exemplar der Zeitschrift “Look” bekommen und darin Karikaturen entdeckt hatte.

Einige Jahre lang sandt er jede Woche zahlreiche Karikaturen an den Spott- und Witzredakteur John Bailey von der “Saturday Evening Post”. 1949 wurde seine erste Karikatur veröffentlicht. Achtzehn Jahre später beurteilte John Bailey ihn folgendermassen: ”Ton Smits zeichnet aus einer liebevollen und völligen Unschuld heraus. Seine Karikaturen sind wie aus einem Märchenbuch, sehr ursprünglich und kindlich, als seien sie das Werk eines sehr intelligenten Kindes, begabt mit dem aussergewöhnlichen Talent zum Entwurf und zur Zeichnung.”

Der ersten Karikatur im Jahre 1949 folgten viele hunderte, veröffentlicht in einer Vielzahl amerikanischer Zeitschriften. Seine Karikaturen erschienen in der Periode von 1949 bis 1975, insbesondere im “New Yorker”, der “Saturday Evening Post”, in “Collier's, “Look” und im “This Week Magazine”.

Auf Einladung des “New Yorker” besuchte Ton Smits in den Jahren 1955 und 1956 die Vereinigten Staten. Er war damals der erste Karikaturist aus dem “alten Europa”, der seine eigenen Karikaturen im “New Yorker” abgebildet fand. Mit dem Geld, das er damit verdiente, baute er für seine betagte Mutter und für sich ein sehr schönes Haus mit einem Atelier in Eindhoven.

Lange Jahre blieb Ton Smits ein eingefleischter Junggeselle. Erst 1973, drei Jahre nach dem Tod seiner Mutter – sie erreichte das hohe Alter von 88 Jahren – entschloss er sich zu heiraten.

1964 wurde Ton Smits mit der Goldenen Palme des “salone Internazionale dell' Umorismo” im italienischen Bordighera ausgezeichnet. Er bekam diese hohe Auszeichnung für seine inzwischen weltberühmt gewordene Karikatur von dem blutjungen Küken, das sich langsam aus dem Ei befreit, seinen Kopf nur für einen kurzen Augenblick in die Welt hinein steckt, um dann unmittelbar danach wieder die sichere Geborgenheit des Eis aufzusuchen. Die Auszeichnung mit der Goldenen Palme verschaffte ihm einen offiziellen Platz unter den Grössten auf dem Gebiet des gezeichneten Humors: Saul Steinberg, James Thurber, Tom Henderson, Raymond Peynet, Jules Feiffer und Virgil Partch.

Ton Smits hat in erster Linie als Karikaturist Bekanntheit erlangt. Dennoch hat er von Jugend auf auch immer gemalt: sonderbare, märchenhafte Darstellungen mit Frauengestalten, Tieren und Blumen, aus denen eine Verwandtschaft zur naiven und auch zur surrealistischen Kunst zum Ausdruck kommt. Seine Bilder erzählen von einer Welt, die nicht von Wissenschaft, Technologie und Industrie getragen wird. In dieser surrealistischen Komödie spielt der Künstler selbst die Hauptrolle vom heiteren Träumer, der aus seiner rein persönlichen Vorstellung heraus und mit Hilfe einer ebenso persönlichen wie stilisierten Darstellungsweise vom Glauben an eine bessere Welt träumt. Wenn man heutzutage dem irdischen Dasein, das in seiner Kompliziertheit tagtäglich zur Diskussion steht, ohne allzu viel ungesundes und vernichtendes Misstrauen begegnen will, muss man schon etwas von dem kindlichen Gemüt eines Ton Smits haben, von dem er mit seiner surrealistischen und naiven Komödie spontan, unbefangen aber eindeutig Zeugnis ablegt.

Des öfteren hat Ton Smits seine Gedanken im Hinblick auf Humor, Karikatur, seine Gemälde und Kunst im allgemeinen formuliert.

Zu Humor sagte er: “Es gibt zuviele Arten Humor und Humoristen, um sie alle mit einer Umschreibung erfassen zu können. Es gibt ebenso viele Arten Humor, wie es Humoristen gibt, und ein und derselbe Witz macht auf nahezu jeden Einzelnen eine anderen Eindruck.”

Zur Karikatur sagte er: “Ich zeichne, was mir in denn Sinn kommt; niemals, was ich sehe. Um in einer Karikatur meinen Gedankengang zum Ausdruck bringen zu können benötige ich ausschliesslich dasjenige, das unentbehrlich ist. Ich zeichne eigentlich in Symbolen, und das muss mich – wie andere festgestellt haben – zum “Stenographen des Humors” gemacht haben.”

Zu seinen Gemälden sagte er: “Ich lasse Farben und Formen miteinander spielen. Manche Farben verlieben sich ineinander. Die dürfen dann bleiben. Manchmal dauert es bei mir viele Jahre, bevor ein Gemälde sein inneres Gleichgewicht gefunden hat und fertig ist.””Was ein solches Gemälde darstellt? – Keine Geschichte! Die kann man nacherzählen. Nein, manchmal ist es eine Harmonie, dann wieder eine kleine Verschiebung einer gesehenen und erlebten Wirklichkeit, oder etwas vollkommen Unwirkliches”.

Zur Kunst sagte er: “Kunst kann man nicht erklären. Jemand, der sich auf derselben Wellenlänge befindet wie der Maler, empfindet dessen Werk von Natur aus in seiner vollen Bedeutung. Es kann sehr mühsam sein, ein Kunstwerk durch das Kunstwerk selbst verstehen und akzeptieren zu lernen. Das aber ist die einzige, wirklich lohnenswerte Art und Weise der Kunstbetrachtung.”

Ausstellungen mit Gemälden von Ton Smits waren in New York (U.S.A.) 1956, Hasselt (Belgien) 1964, Paris (Frankreich) 1960, Montevideo (Uruguay) 1970, Quito (Equador), 1975, Turnhout (Belgien) 1975 und Luxemburg 1976 zu sehen.

In seinem Vaterland, den Niederlanden, wurden seine Werke bisher schon bei zahlreichen Gelegenheiten in der Öffentlichkeit gezeigt und gewürdigt.

Zum Abschluss ein Zitat, das einen Einblick darin vermittelt, wie Ton Smits dem Leben gegenübersteht: “Das Leben ist voller Höhen und Tiefen; aber es ist meine Erfahrung, dass im Leben eines Künstlers immer wieder ein Wunder geschieht. Man muss nur den Mut dazu haben, selber auch mal eins zu vollbringen.”